KI-Agenten im Handwerk: Vom Ausprobieren zur eigenen Lösung im Betrieb

Wie kann Künstliche Intelligenz im Handwerksbetrieb sinnvoll eingesetzt werden? Wo bringt sie wirklich eine Entlastung? Und wie gelingt es, aus ersten Ideen Anwendungen zu entwickeln, die im Alltag auch tatsächlich helfen?
Mit diesen Fragen haben sich die teilnehmenden Betriebe in unserer KI-Werkstatt intensiv beschäftigt. Beim Abschlusstreffen im Branchenzentrum Ausbau und Fassade wurde nun deutlich, wie viel sich in den vergangenen Monaten entwickelt hat – und vor allem, wie unterschiedlich die Betriebe das Thema für sich genutzt haben.

Nicht die Technik, sondern der Betriebsalltag stand im Mittelpunkt

Von Anfang an ging es nicht darum, möglichst viele KI-Programme kennenzulernen. Entscheidend war vielmehr die Frage: Wo gibt es im eigenen Betrieb Abläufe, die heute unnötig Zeit kosten, fehleranfällig sind oder einfach besser organisiert werden könnten? Genau daraus entstanden die Themen der Werkstatt. Die Betriebe beschäftigten sich unter anderem mit Baustellenplanung, Tagesberichten, Stundenzetteln, Kalkulationen, Angebotserstellung und der Automatisierung von Büroabläufen. Dabei zeigte sich schnell: Es muss nicht immer die große Komplettlösung sein. Oft reicht schon eine kleine Anwendung, die genau auf einen bestimmten Ablauf im Betrieb zugeschnitten ist.

Aus neuem Wissen entstehen eigene Werkzeuge

Besonders spannend war zu sehen, was die Teilnehmer aus dem Wissen der Werkstatt anschließend selbst gemacht haben. So entstand beispielsweise ein eigenes Tool für die Baustellenplanung. Ausgangspunkt war ein Problem, das viele Betriebe kennen: mehrere laufende Baustellen, unterschiedliche Mitarbeiter, Urlaub, Krankheit und Terminverschiebungen müssen irgendwie zusammengebracht werden. Mit dem Wissen aus der KI-Werkstatt konnte daraus Schritt für Schritt eine eigene Anwendung entwickelt werden. Heute werden Überschneidungen früher sichtbar, freie Kapazitäten lassen sich besser erkennen und mögliche Terminprobleme können deutlich früher eingeschätzt werden. Genau darin zeigte sich ein wesentlicher Mehrwert der Werkstatt: Nicht nur einzelne Anwendungen wurden getestet. Die Teilnehmer haben gelernt, wie sie eigene Fragestellungen mit KI angehen und passende Lösungen für ihren Betrieb entwickeln können.

Weniger Zettel, weniger Rückfragen

Ein weiteres großes Thema waren Tagesberichte und Arbeitszeiterfassung. Handgeschriebene Stundenzettel, unterschiedliche Schreibweisen oder fehlende Angaben sorgen im Büro schnell für zusätzlichen Aufwand. Deshalb entstanden Ansätze, mit denen Mitarbeiter ihre Arbeitszeiten und Tätigkeiten direkt digital erfassen können. Auch Spracheingabe und Übersetzung wurden dabei ausprobiert. Informationen können direkt eingesprochen und in verschiedene Sprachen übertragen werden. Gerade in Teams mit unterschiedlichen Muttersprachen eröffnet das neue Möglichkeiten, Informationen von der Baustelle einfacher und vollständiger ins Büro zu bekommen. Wichtig war dabei immer: Die Lösung muss für die Mitarbeiter einfach bleiben. Denn eine Anwendung bringt nur dann etwas, wenn sie auf der Baustelle ohne großen Aufwand genutzt werden kann.

KI als Unterstützung bei Angeboten und Kalkulationen

Auch in der kaufmännischen Arbeit konnten die Betriebe praktische Erfahrungen sammeln. Gesprochene Notizen aus Kundengesprächen oder Baustellenterminen lassen sich heute beispielsweise so aufbereiten, dass daraus bereits eine gute Grundlage für ein Angebot entsteht. Bei Kalkulationen und Auswertungen können vorhandene Daten schneller strukturiert und weiterverarbeitet werden. In einzelnen Fällen konnten Arbeiten, die zuvor mehrere Stunden beanspruchten, deutlich schneller vorbereitet werden. Die fachliche Prüfung bleibt natürlich beim Betrieb – aber die Vorarbeit lässt sich an vielen Stellen vereinfachen.

Was bleibt nach der KI-Werkstatt?

Beim Abschlusstreffen wurde vor allem eines deutlich: Die Betriebe sind sehr unterschiedlich an das Thema herangegangen – und genau das war eine Stärke der Werkstatt. Der eine Betrieb wollte seine Baustellenplanung verbessern, der nächste die Stundenerfassung vereinfachen, ein anderer beschäftigte sich stärker mit Kalkulation oder Büroorganisation. Dadurch entstand ein Austausch, von dem alle profitieren konnten. Gleichzeitig wurde auch offen über Grenzen gesprochen. Datenschutz, Kosten, Schnittstellen zu vorhandenen Programmen und die Frage, wie zuverlässig eine Lösung im Alltag funktioniert, bleiben wichtige Themen.
Das Fazit fällt deshalb pragmatisch aus: Nicht alles, was technisch möglich ist, muss auch umgesetzt werden. Entscheidend ist, ob eine Anwendung dem Betrieb wirklich hilft.

Die Arbeit geht weiter

Mit dem Abschlusstreffen endet das Thema deshalb nicht. Die Erfahrungen aus der KI-Werkstatt sollen im Rahmen des Digital Hubs ReDiKo – Regionale Digitale Kooperation im Handwerk weitergeführt werden. Bestehende Ansätze können weiterentwickelt, neue Ideen aufgenommen und weitere Betriebe eingebunden werden. Dabei soll auch künftig der praktische Nutzen im Vordergrund stehen. Denn die KI-Werkstatt hat gezeigt: Wer mit einem konkreten Problem aus dem eigenen Betrieb startet, kann mit KI heute schon erstaunlich viel erreichen – und manchmal sogar Lösungen entwickeln, die es in dieser Form vorher gar nicht gab.