InnoBB-Arbeitstreffen in Kassel: Gemeinsam den Lehrgang zur energetischen Gebäudesanierung entwickeln
Wie kann eine moderne, praxisnahe und gewerkeübergreifende Wahlwoche zur energetischen Gebäudesanierung aussehen? Mit dieser Frage beschäftigten sich die Projektpartner von InnoBB bei einem gemeinsamen Arbeitstreffen am 8. Juli 2027 beim Bubiza in Kassel.
Im Mittelpunkt des Treffens standen die Entwicklung der Lehrgangsziele, geeignete Lernszenarien, die mögliche Modulstruktur sowie die Ausgestaltung eines digitalen Mustergebäudes. Darüber hinaus wurde intensiv darüber beraten, wie ein gemeinsames Wiki und KI-gestützte Lernpfade die praktische Ausbildung künftig unterstützen können.
Praxis von Anfang an
Eine zentrale Leitlinie wurde schnell deutlich: Die geplante Wahlwoche soll möglichst handlungsorientiert aufgebaut sein. Die Auszubildenden sollen nicht erst über längere Zeit theoretische Grundlagen bearbeiten, sondern möglichst früh selbst aktiv werden.
Denkbare Einstiegsaufgaben sind beispielsweise die digitale Erfassung eines Raumes oder Gebäudeteils, das Erkennen und Dokumentieren typischer Schäden oder die Auswertung vorhandener Bestandsunterlagen. Auch moderne Technologien wie Smartphone-Aufmaß, LiDAR-Scanner, 360-Grad-Kameras, Punktwolken, Drohnenaufmaß und Thermografie sollen berücksichtigt werden.
Theoretische Inhalte können teilweise durch kurze digitale Lerneinheiten vorbereitet oder begleitet werden. Dadurch soll während der Präsenzwoche mehr Zeit für die praktische Umsetzung zur Verfügung stehen.
Lernen an realistischen Kundenaufträgen
Die Wahlwoche soll sich an realitätsnahen Kundenaufträgen orientieren. Als Grundlage wurden vier unterschiedliche Kundenszenarien diskutiert:
- ein Seniorenpaar mit dem Wunsch nach einem altersgerechten und barrierearmen Umbau,
- eine Familie mit alltagsnahen Anforderungen,
- ein besonders nachhaltigkeitsorientierter Kunde,
- eine Sanierung mit begrenztem Budget und klaren Prioritäten.
Je nach Kundenauftrag können bei demselben Gebäude unterschiedliche technische Lösungen, Materialien und Sanierungsmaßnahmen sinnvoll sein. Die Auszubildenden sollen deshalb nicht nur eine vorgegebene Lösung umsetzen, sondern lernen, Anforderungen zu analysieren, Entscheidungen zu begründen und die Schnittstellen zu anderen Gewerken zu berücksichtigen.
Gemeinsame Grundlagen, unterschiedliche Praxismodule
Die drei beteiligten Bildungszentren entwickeln einen gemeinsamen Rahmen für die Wahlwoche. Dieser soll anschließend durch standort- und gewerkespezifische Praxismodule ergänzt werden.
Zu den gemeinsamen Grundlagen gehören insbesondere:
- Bestandsaufnahme und Gebäudeerfassung,
- Erkennen von Schäden und energetischen Schwachstellen,
- Lesen und Verstehen eines Sanierungsfahrplans,
- Ableitung konkreter Arbeitsaufgaben,
- Arbeitsplanung und Qualitätssicherung,
- Arbeitsschutz, Schadstoffe, Rückbau und Recycling,
- Dokumentation und Reflexion der ausgeführten Arbeiten.
Als mögliche Praxismodule wurden unter anderem die Sanierung der Gebäudehülle, Anlagentechnik, Dach- und Kellersanierung, Lüftung, Photovoltaik, Innenausbau und Barrierefreiheit diskutiert.
Jeder Projektpartner soll zunächst mindestens zwei eigene Praxismodule entwickeln. Diese können später je nach Zielgruppe, Standort und betrieblichem Bedarf unterschiedlich miteinander kombiniert werden.
Das Mustergebäude als gemeinsamer Bezugspunkt
Eine wichtige Rolle spielt das geplante digitale Mustergebäude. Favorisiert wird ein einfaches Doppelhaus, das einen unsanierten Ausgangszustand und verschiedene Sanierungsvarianten zeigen kann.
Das Gebäude soll typische Merkmale eines älteren Wohnhauses enthalten, beispielsweise einen Keller, ein Dachgeschoss, ältere Fenster- und Türsituationen sowie Bereiche für unterschiedliche Maßnahmen an Fassade, Dach, Innenausbau und Gebäudetechnik.
Dabei soll das Mustergebäude nicht sämtliche denkbaren Bauweisen und Schadensfälle vollständig darstellen. Vielmehr dient es als anschaulicher Einstieg in die Lernszenarien und als Navigation zu weiterführenden Informationen.
Zu einzelnen Bauteilen können beispielsweise Bestandspläne, Sanierungsvarianten, typische Schadensbilder oder fachliche Erläuterungen aufgerufen werden. Auch unterschiedliche Sanierungsfahrpläne für die vier Kundenszenarien sollen mit dem Mustergebäude verknüpft werden.
Ein gemeinsames digitales Fachkompendium
Parallel zum Mustergebäude soll das bestehende Wiki um einen eigenen Bereich zur energetischen Gebäudesanierung erweitert werden.
Dort sollen unter anderem Inhalte zu folgenden Themen gebündelt werden:
- Bestandsanalyse und Gebäudeaufnahme,
- Sanierungsfahrplan und Sanierungskonzept,
- Gebäudehülle,
- Heizungs-, Lüftungs- und Anlagentechnik,
- erneuerbare Energien,
- Innenausbau und Barrierefreiheit,
- Schäden und Gefahrstoffe,
- Rückbau, Recycling und Entsorgung,
- Sonderthemen wie Fachwerk und Innendämmung.
Bereits vorhandene Inhalte werden dabei nicht doppelt erstellt. Sie sollen geprüft, bei Bedarf ergänzt und über passende Verlinkungen in die neue Struktur eingebunden werden. Ziel ist ein gemeinsames digitales Fachkompendium, das von allen Projektpartnern genutzt und weiterentwickelt werden kann.
KI als Lernbegleiter
Ein weiterer Schwerpunkt des Treffens war die geplante KI-gestützte Lernassistenz. Sie soll die Auszubildenden durch ausgewählte theoretische und planerische Bestandteile des Lehrgangs führen.
Der Lernpfad wird von den Fach- und Lehrkräften vorgegeben. Die KI soll diesen Rahmen anschließend an das Vorwissen und die jeweilige Zielgruppe anpassen. Denkbar sind beispielsweise:
- kurze Erklärungen zu Fachbegriffen,
- Hinweise auf passende Wiki-Inhalte,
- Videos, Bilder oder Animationen,
- Verständnisfragen und kleine Tests,
- individuelle Wiederholungen,
- Unterstützung bei Rückfragen während der praktischen Arbeit,
- Dokumentation des Lernfortschritts.
Wichtig ist, dass der Lernassistent ausschließlich auf fachlich geprüfte und kuratierte Inhalte zurückgreift. Gleichzeitig sollen die Teilnehmenden lernen, KI-Antworten kritisch zu hinterfragen und verantwortungsvoll mit den digitalen Werkzeugen umzugehen.
Die praktische Arbeit selbst wird weiterhin von den Ausbilderinnen und Ausbildern bewertet. KI kann jedoch künftig dabei helfen, Rückmeldungen, Fotos und Arbeitsergebnisse strukturiert zu dokumentieren.
Die nächsten Schritte
Bis zum nächsten gemeinsamen Arbeitstreffen stehen insbesondere fünf Aufgaben im Vordergrund:
- Entwicklung von jeweils mindestens zwei Praxismodulen pro Bildungszentrum,
- weitere Konkretisierung des digitalen Mustergebäudes,
- Aufbau und Abstimmung der Wiki-Struktur,
- Beschreibung der vier Kundenszenarien,
- Konkretisierung des KI-gestützten Lernpfads.
Darüber hinaus soll geprüft werden, wie digitale Gebäudeaufnahme und 3D-Modelle sinnvoll in den Lehrgang eingebunden werden können. Dazu ist unter anderem ein Austausch mit erfahrenen Anwendern aus der Praxis vorgesehen.
Das Treffen in Kassel hat damit eine wichtige Grundlage geschaffen: Die künftige Wahlwoche soll praxisnah, modular, digital unterstützt und konsequent an realen Sanierungsaufgaben ausgerichtet sein. Nun geht es darum, die gemeinsam entwickelten Ideen in konkrete Lern- und Praxismodule zu überführen und anschließend an den drei Standorten zu erproben.






