Aus Projekt wird Praxis: Die KI-Werkstatt Handwerk geht weiter

Wie kann Künstliche Intelligenz im Handwerksbetrieb wirklich helfen?
Nicht theoretisch, sondern ganz konkret bei den täglichen Aufgaben im Büro, auf der Baustelle oder bei der Organisation von Informationen?

Mit dieser Frage haben sich sechs Handwerksbetriebe im Projekt „KI-Agenten im Handwerk“ intensiv beschäftigt. Gemeinsam wurden betriebliche Prozesse analysiert, konkrete Probleme identifiziert und daraus eigene KI-Anwendungsfälle entwickelt und praktisch erprobt. Dabei entstand ein Werkstattformat, das sich bewusst von klassischen KI-Schulungen unterscheidet: Nicht das nächste neue KI-Tool steht im Mittelpunkt, sondern der eigene Betrieb. Die Erfahrungen aus dem Projekt möchten wir nun weitertragen. Deshalb wird die KI-Werkstatt im Rahmen von ReDiKo – Digitaler Hub Baden-Württemberg weiterentwickelt und für weitere Handwerksbetriebe geöffnet.

Vom Förderprojekt zur KI-Werkstatt Handwerk

Das Projekt „KI-Agenten im Handwerk“ wurde von November 2025 bis Juli 2026 durchgeführt und im Rahmen der Initiative „Horizont Handwerk“ durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg gefördert. Sechs Handwerksbetriebe aus Baden-Württemberg gingen dabei der Frage nach, wie KI-Agenten und KI-Assistenzsysteme ganz konkret in ihren Unternehmen eingesetzt werden können. Das Ziel war von Anfang an praxisorientiert: Die Betriebe sollten nicht nur etwas über Künstliche Intelligenz lernen, sondern eigene Lösungen entwickeln, die zu ihren Arbeitsprozessen passen. Dafür wurde ein strukturierter Werkstattprozess aufgebaut – von der Analyse der Ausgangssituation über die Entwicklung erster Ideen bis hin zur Erprobung prototypischer Lösungen im eigenen Betrieb.

Was haben die Betriebe ausprobiert?

Die Themen der sechs Betriebe waren so unterschiedlich wie ihre Arbeitsabläufe.

Beschäftigt haben sie sich unter anderem mit:

  • Baustellenplanung
  • Tagesberichten und Dokumentation
  • Stundenerfassung
  • Kalkulation und Angebotserstellung
  • Verwaltung von Unterlagen
  • Fuhrpark und Subunternehmermanagement
  • Automatisierung wiederkehrender Büroprozesse

Dabei zeigte sich schnell: Eine gute KI-Anwendung muss nicht groß oder kompliziert sein. In einem Betrieb entstand beispielsweise eine Lösung, mit der Tagesberichte mithilfe von Spracheingabe und Übersetzung einfacher erfasst werden können. Ein anderer Teilnehmer entwickelte auf Basis des in der Werkstatt erworbenen Wissens selbst ein Werkzeug für die Baustellenplanung. Auch bei Angeboten, Kalkulationen und wiederkehrenden Verwaltungsaufgaben konnten neue Möglichkeiten erprobt werden. Die wichtigste Erkenntnis war dabei immer dieselbe: KI bringt dann einen Nutzen, wenn sie ein konkretes Problem im Arbeitsalltag löst.

Erst den Prozess verstehen – dann die Technik auswählen

Deshalb begann die KI-Werkstatt auch nicht mit der Frage: „Welche KI sollen wir einsetzen?“ Sondern mit der Frage: „Wo haben wir in unserem Betrieb einen Prozess, der heute unnötig Zeit kostet oder besser funktionieren könnte?“ Wie läuft eine Aufgabe aktuell ab? Wo entstehen doppelte Arbeitsschritte? Wo müssen Informationen immer wieder gesucht oder übertragen werden? Wo entstehen häufig Rückfragen? Erst wenn der Prozess verstanden ist, lohnt sich der Blick auf mögliche technische Lösungen. Die Grundidee lautet deshalb: Prozess verstehen → Verbesserungspotenzial erkennen → passende KI-Lösung entwickeln → ausprobieren → bewerten → weiterführen. So wird aus dem zunächst abstrakten Thema Künstliche Intelligenz ein konkreter Anwendungsfall aus dem eigenen Unternehmen.

Die wichtigste Erkenntnis: Einfach muss es sein

Die erste KI-Werkstatt hat außerdem gezeigt, dass nicht allein die technische Machbarkeit über den Erfolg entscheidet. Eine Anwendung kann technisch sehr leistungsfähig sein – wenn Mitarbeitende sie im Alltag nicht ohne großen Aufwand bedienen können, wird sie kaum einen nachhaltigen Nutzen bringen. Gerade im Handwerk müssen Lösungen schnell, verständlich und unkompliziert funktionieren. Manchmal reicht deshalb bereits ein gut eingerichteter KI-Assistent oder eine kleine Veränderung eines bestehenden Arbeitsablaufs. Nicht die technisch aufwendigste Lösung ist automatisch die beste. Entscheidend ist, dass sie zum Betrieb und zu den Menschen passt, die damit arbeiten sollen.

Aus den Projekterfahrungen entsteht ein dauerhaftes Angebot

Mit dem Ende des Förderprojekts „KI-Agenten im Handwerk“ soll deshalb nicht auch die Werkstatt enden. Im Gegenteil: Die Erfahrungen der sechs teilnehmenden Betriebe haben gezeigt, dass der gemeinsame Werkstattansatz funktioniert und auf viele weitere Themen und Gewerke übertragbar ist. Das entwickelte Format wird deshalb über ReDiKo – Regionale Digitale Kooperation im Handwerk, ebenfalls gefördert durch das Ministerium für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus Baden-Württemberg gefördert, weitergeführt und ausgebaut. Mit der KI-Werkstatt Handwerk können künftig bis zu 20 Handwerksbetriebe über rund sechs Monate an einem eigenen betrieblichen Anwendungsfall arbeiten. Damit wird aus einem zeitlich begrenzten Entwicklungsprojekt ein Angebot, das weiteren Betrieben offensteht.

Wie funktioniert die neue KI-Werkstatt?

Auch in der neuen Runde bleibt das Grundprinzip erhalten: Die Betriebe arbeiten nicht an theoretischen Übungsfällen, sondern bringen eine konkrete Herausforderung aus ihrem eigenen Unternehmen mit. Über mehrere Monate wechseln sich gemeinsame Werkstätten, Kleingruppen und Praxisphasen im eigenen Betrieb ab.

Schritt für Schritt geht es darum,

  • einen geeigneten Arbeitsprozess auszuwählen,
  • den heutigen Ablauf zu verstehen,
  • Verbesserungspotenziale zu erkennen,
  • einen geeigneten KI-Anwendungsfall zu entwickeln,
  • passende Werkzeuge auszuprobieren,
  • die Lösung mit echten Beispielen zu testen
  • und anschließend zu entscheiden, wie sie weitergeführt werden kann.

Programmierkenntnisse sind dafür nicht erforderlich. Viel wichtiger sind Interesse, Offenheit und die Bereitschaft, zwischen den Werkstattterminen am eigenen Anwendungsfall weiterzuarbeiten.

Für welche Betriebe ist die KI-Werkstatt interessant?

Die KI-Werkstatt richtet sich an Handwerksbetriebe, die bei Künstlicher Intelligenz einen Schritt weitergehen möchten. Vielleicht haben Sie ChatGPT bereits ausprobiert. Vielleicht gibt es in Ihrem Betrieb aber auch einfach einen Prozess, bei dem Sie schon länger denken: „Das müsste doch einfacher gehen.“ Genau das kann ein guter Ausgangspunkt sein. Mögliche Themen sind beispielsweise wiederkehrende Kundenanfragen, Angebote, Dokumentation, interne Wissenssuche, Baustellenorganisation, Verwaltungsaufgaben oder andere Prozesse, bei denen heute viel Zeit für Suchen, Übertragen oder Aufbereiten von Informationen benötigt wird. Der konkrete KI-Anwendungsfall muss dabei zu Beginn noch nicht fertig definiert sein. Genau dabei unterstützt die Werkstatt.

Von sechs Pilotbetrieben zu einem Angebot für das Handwerk

Mit dem Projekt „KI-Agenten im Handwerk“ konnten wir gemeinsam mit sechs Betrieben ausprobieren, wie ein praxisnahes Werkstattformat für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz aussehen kann. Nun geht der nächste Schritt darum, diese Erfahrungen weiterzugeben. Mit ReDiKo wird die KI-Werkstatt weiterentwickelt und für weitere Betriebe geöffnet. Damit können die Erkenntnisse aus dem geförderten Projekt langfristig genutzt und neue Anwendungsfälle aus ganz unterschiedlichen Bereichen des Handwerks entwickelt werden. Denn am Ende geht es nicht darum, möglichst viel KI einzusetzen. Es geht um eine viel praktischere Frage: Wo kann KI unserem Betrieb wirklich helfen? Genau das möchten wir gemeinsam mit den teilnehmenden Betrieben herausfinden.

Sie möchten mehr erfahren?

Alle Informationen zur neuen KI-Werkstatt Handwerk, zum Ablauf und zu den Teilnahmemöglichkeiten finden Sie bei ReDiKo. Dort können Sie die KI-Werkstatt kennenlernen und erfahren, wie Sie mit einem eigenen betrieblichen Anwendungsfall Teil der nächsten Runde werden können.

Sie sind neugierig geworden, möchten aber zunächst wissen, wie die KI-Werkstatt genau funktioniert und ob das Format zu Ihrem Betrieb passt? Dann laden wir Sie zu unserer kostenlosen Online-Informationsveranstaltung zur KI-Werkstatt Handwerk ein.

Donnerstag, 22. Oktober 2026
10:00–11:00 Uhr | Online